Von unserer Hütte in Sørvågen aus haben wir Støvla immer wie ein unerschütterliches Denkmal daliegen sehen, einen Traum, den es herauszufordern galt. Der Berg war immer Teil der Aussicht, egal ob wir mit der Morgenkaffeetasse vor die Tür traten oder nach langen Wanderungen in der frischen Lofoten-Luft zurückkehrten. Manchmal schneebedeckt, manchmal in goldenes Novemberlicht getaucht, und an besonderen Winterabenden tanzte das Nordlicht um sein markantes Profil — ein unverkennbares Symbol für all die raue Schönheit, die die Lofoten bergen.

Der Abend davor, und die guten Ratschläge
Die Besteigung stand seit 2022, als die Hütte unsere wurde, ganz oben auf unserer Muss-man-machen-Liste. Aber Støvla gibt seinen Gipfel nicht an jeden her — Schnee und Wetter sorgen für kurze Zeitfenster. Als sich die Gelegenheit endlich bot, sprachen wir mit Øivind Arntzen, einem unserer lokalen Freunde, der sich in Sørvågens Bergen bestens auskennt. Er gab uns gute Tipps, erzählte von Seilen und Leitern und machte deutlich, dass die Wanderung bis zu vier Stunden pro Weg dauern könnte. Keine Tour für Ungeduldige oder Unerfahrene.
Früher Start und Septemberzauber
Wir tranken früh unseren Morgenkaffee. Die Septembersonne hatte bereits begonnen zu wärmen, und mit gepackten Rucksäcken machten wir uns an die ersten Höhenmeter — fast 1000 sollten es bis zum Gipfel werden. Nach einer Stunde in leichtem Gelände beginnt es richtig. Zeitweise krochen wir den Hang hinauf, zum Klang eines kleinen Bachs, der die glatte Bergflanke hinabfloss. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir das, was Understøvla genannt wird.

Wir setzten unseren Weg nach Nordosten fort, bis wir auf den Fjerddalsvatnet hinabblickten. Wieder war es Zeit für weitere Höhenmeter, und jetzt beginnt es wirklich. Kein Pfad, keine Markierungen. Hier zählen nur Erkundung, Ortskenntnis und ein guter Handyempfang — besonders als wir plötzlich mitten in einem Blockfeld standen und nicht wussten, wie es weitergeht. Øivinds Telefon lieferte die Antwort: genau westwärts und hinauf, durch Bereiche mit losem Geröll, um Felsblöcke herum und durch Abschnitte, die kaum begehbar aussahen. Das Handy half uns nicht weiter, als wir uns 20–30 Meter abseilen und Halt an der glatten Felswand finden mussten.

Die eigenen Gesetze der Natur
Die Lofoten geben und nehmen. Während wir kletterten, hörten wir plötzlich das Geräusch von Steinschlag, das das Tal erfüllte. Nicht direkt neben uns, aber dennoch eine Erinnerung daran, dass hier draußen die eigenen Gesetze der Natur gelten. Der Mensch ist Gast, nicht Herrscher. Die letzten Höhenmeter waren eine Schinderei über Fels und Geröll, und unsere Beine drohten zu streiken. Aber dann, nach vier Stunden und 8,5 km durch Geröll, erschienen die Varde und Støvlas allerhöchster Punkt, 824 Meter über dem Meer — zunächst in Wolken gehüllt, dann plötzlich in klarem Herbstsonnenlicht.
Eine Aussicht für immer
Die Aussicht vom Gipfel vergisst man nicht. Meer in jeder Richtung. Vindstad am inneren Ende des Reinefjords, Henningsvær weit draußen und Værøy und Røst am Horizont. Die Lunchpakete schmeckten doppelt so gut, und es wurden viele Fotos gemacht. Aber wir waren erst auf halbem Weg — der Abstieg wartete noch, und der Berg gibt den Sieg nicht leicht her.

Auf dem Weg nach unten — und ein neuer Blick auf die eigene Leistung
Der Abstieg war nicht einfacher als der Aufstieg — genauso hoher Puls, nur aus einem anderen Grund. Mehrmals mussten wir anhalten und uns fragen, wie es weitergehen sollte, aber wir fanden den Weg und meisterten die Herausforderungen. Als wir unten ankamen und die Route überblicken konnten, die wir gegangen waren, war es kaum zu glauben. Nach einem erfrischenden Bad im Sørvågvatnet konnten wir feststellen: Dies war unsere bisher anspruchsvollste Gipfeltour.
Ein besonderer Dank geht an Øivind Arntzen für die guten Ratschläge und Tipps — ohne ihn wäre die Tour nicht annähernd so gut geworden. Dieses Erlebnis hat sich eingebrannt, nicht nur in unsere Beine, sondern in die Erinnerung. Støvla ist nicht mehr nur ein Gipfel, den wir von der Hütte aus sehen — ein Traum ist in Erfüllung gegangen.


